WOZU
Left Hand Corner ?
ZIELRICHTUNG SCHWERPUNKTE + AKZENTE / GRÜNDE


Zielrichtung: 

Statistiken belegen einen 10 - 15% Anteil Linkshänder an der Gesamtbevölkerung. Aussagen namhafter Pädagogen und Psychologen z.B. Dr. B. Sattler, München   postulieren unter Anrechnung der Anzahl der umgeschulten Linkshänder sogar die Möglichkeit eines Verhältnisses von 50 zu 50. Ziel ist, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Thema Linkshändigkeit zu schärfen. 
Linkshänder und besonders auch umgeschulte Linkshänder aller Altersgruppen können Left Hand Corner nutzen als "Sprachrohr" für Ideen und Meinungen, als Informations- und Bezugsquelle für Waren und Dienstleistungen , nicht zuletzt aber auch als Fördermedium der den Linkshändern nachgesagten spezifischen Potentiale wie ganzheitliches Denken und Kreativität im Hinblick auf Gesellschaft,
bildende Künste, Musik, Literatur und Sport.  

Left Hand Corner ist politisch neutral. 

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Schwerpunkte und Akzente: 

Um zu zeigen, wie die Welt aus der Sicht der „Betroffenen" aussieht, steht mit diesem Medium ein Diskussions- , Informations- und nicht zuletzt Unterhaltungs-Forum zur Verfügung . 
Da zu den „Betroffenen" immer auch Rechtshänder zählen, ist Left Hand Corner auch für diese Menschengruppe interessant. Berührt werden alle Lebensbereiche, in denen Händigkeit eine Rolle spielt. 

Hinsichtlich der Wissenschaft pflegt Left Hand Corner eine enge Zusammenarbeit mit der seit 1985 bestehenden Ersten deutschen
Beratungs- und Informationstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder in München (Leiterin: Frau Dr. Johanna Barbara Sattler)
Aktuelle Erkenntnisse gelangen so durch zeitnahe Veröffentlichungen in Left Hand Corner direkt zu den Adressaten und tragen dadurch zu einer beschleunigten Optimierung gesellschaftlicher Vorgänge und zum Nutzen der Linkshänder bei. 
Fragwürdige Entwicklungen aus unterschiedlichen Richtungen werden beleuchtet, diskutiert und kritisiert. 

Industrie, Handel und ein grosser Teil der Dienstleistungsbranche erhalten Gelegenheit, die grosse Bevölkerungsgruppe der Linkshänder anzusprechen und so für innovative Produkte und Dienstleistungen zu werben und dadurch ihren Kundenstamm zu festigen bzw. zu erweitern. Zudem kann dieses Periodikum als Ideenlieferant für die Entwicklung neuer Produkte/Dienstleistungen genutzt werden. 

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Gründe
 
Da ist ein Linkshänder.

Geboren in den 50er Jahren des 20.Jahrhunderts. Einer von Milliarden. Männlich oder weiblich. Der unbekannte Linkshänder. Ein fiktives Fallbeispiel.
 
Im Elternhaus keine Umerziehungs-Maßnahmen. Plastische Erinnerung an die erste Begegnung mit einer Wandergitarre ca. 1956.  Das kleine dicke Kind sieht in Augenhöhe vor sich auf einer Sitzbank liegend Saiten und Schallloch des magischen Gerätes.  Zupft herum mit kleinen dicken Fingern der richtigen, der linken Hand. 

Dirigieren mit Schilfrohr, natürlich in der richtigen, der linken Hand, unter ständiger Beschallung mit den drei damals im Hause befindlichen Schallplatten:

-Mozart, Kleine Nachtmusik 
-Don Kosaken
-Dvorcak, Slawische Tänze

Eingeschult Anfang der 60er. Sanft vergewaltigt von der Lehr-Beamtin mit einem Wollhandschuh an der linken Hand, damit keine Missverständnisse aufkommen. „Kultur-Natur“ ist die Devise. Da könnte ja jeder kommen. Wo kämen wir da hin ? In einem rechten Land wird rechts geschrieben. Man kommt ja auch nicht einfach auf die Welt und fängt an Chinesisch zu sprechen, sodass einen keiner versteht. Also rechts oder gar nicht. Die Mutter, selbst auch umgeschulte Linkshänderin, wird vertröstet: Wenn er unbedingt links schreiben wolle, dürfe er das, aber „wir probieren es halt einmal mit rechts ...“. Hin und wieder Protest-Urin, der sich durch die Hosen hindurch auf den Schul-Stuhl ergiesst; warm und unerbittlich diktiert der Urin das Geschehen. Hat er sich einmal Bahn gebrochen, gibt es kein Halten mehr. Erlösung und Panik zugleich. Das Kind nässt zwar ein, aber wenigstens schreibt es rechts. Farbenblindheit als kleine neckische Beigabe schaukelt manchmal mit in diesem Stress-Karussell. LehrerInnen lieben farbige Kreide auf schwarzen Schultafeln. So schreibt er halt vom Nachbarn ab. Und er schreibt schön, bis zum Ende der 2. Klasse. Irgendwann kam ein „Sprachlehrer“ in die Klasse und jeder Schüler musste nach vorn zu ihm gehen und ihm etwas vorsprechen. Er fand dann mit feinem Ohr heraus, wer zu seinen Klienten zählen sollte. Unser Linkshänder lispelte angeblich. Dass der „Sprachkurs“ dann hauptsächlich aus gemeinsamem Singen bestand, mit dem Sprachlehrer am Klavier, gefiel ihm. Eine willkommene Ergänzung zum Singen in Schule, Kirche und Badewanne.

Ab der dritten Klasse haben wir dann den Schlamassel. Die Handschrift verändert sich praktisch von einem Tag auf den anderen, wird fahrig, unregelmässig, schlecht lesbar. Ausreichend lesbar für den Schreiber selbst. Immerhin. Deshalb behält er trotz der gewaltsamen Umschulung Freude am Fabrizieren von Texten. Er entdeckt das Vergnügen am Zeichnen und macht verstohlen sein erstes Selbstbildnis vor dem Schlafzimmerspiegel, natürlich mit der richtigen, der linken Hand. Aber Ziffern hasst er. Und alle, die ihm Rechnen und Mathematik beibringen wollen. Eine weitere neckische Beigabe hält der wurstfingrige, dicklippige Klassenlehrer bereit: Ein Bündel Schlagstöcke. 1963. Fein gebündelt und sauber verwahrt im Schränkchen neben dem Pult. Verschiedene Holzarten unterschiedlicher Dicke, alle gut gewachsen und auf einheitliche Länge zugeschnitten. Buben bekamen „3 Tropfen“, manchmal einen Zusatztropfen auf den durch Bücken gestrafften Hintern, Mädchen dagegen „2 Tatzen“ auf die Hand-Innenfläche. Es konnte auch zu Massen-Exekutionen kommen. 10 Buben hatten in der grossen Pause versucht, den jeweils begehrenswertesten Mädchen ihre Mützen vom Kopf zu ziehen. Macht nach Adam Riese 30 Tropfen. Mädchen wurden seltener bestraft. Wenn, dann wegen „Schwätzens“. Tatzen entwickelten eine völlig andere Klangfarbe als Tropfen. Tatzen hatten etwas Schnalzendes, Tropfen landeten meist auf Lederhosen und „klatschten“ mehr. Ist unter solch einem Terror-Regime ein linksschreibendes
Schulkind vorstellbar ?
Im Gymnasium Schläge mit der blossen Hand auf Gesicht und Rücken wegen zu undeutlicher Schreibung der vermaledeiten Ziffer „5“ in einer Hausarbeit. Die Mathelehrerin („...ihr dürft ruhig Frau Dr. zu mir sagen ..“)  war so ziemlich das greulichste an Lehrer-Begegnungen. Was sie nicht wusste: All’ diese Ziffern „5“ waren mit links geschrieben worden. Von oben nach unten, vom Körper weg. In den viel zu vielen Rechenaufgaben erschien als zweite Dezimale im Ergebnis immer eine 5, sodass der umgeschulte Linkshänder derlei Monotonie durch seine lustvolle und rationelle Schreibweise durchbrach: Und dann das Ergebnis: Hinrichtung vor der ganzen Klasse ! Na Bravo ! 

Sport und „Bundesjugendspiele“ sind ihm verhasst, besonders Weitsprung. Nie wurde er sich bewusst, welcher Fuß denn der Absprungfuß sein sollte. Sportlehrer kamen nicht auf die Idee, diese Frage mit dem Schüler zu klären. Beim Turnen am Barren hätte er sich beinah das Genick gebrochen. Ein rechtshändiger Sportlehrer bei Anleitung und Hilfestellung für einen Linkshänder, kein Wunder.

1968
Der immer schlecht gelaunte Kunstlehrer weist alle Schüler an, mit der linken Hand zu zeichnen, da dann „bewusster“ gearbeitet werde. Das lässt sich der Linkshänder natürlich nicht zweimal sagen, tat er doch malender- und zeichnenderweise schon immer so, wie jetzt geheißen. Verstörend allerdings ist solch rätselhafte Anweisung und verunsichernd allemal. Soll der LH also mit rechts zeichnen ? Er spart sich eine Nachfrage und zeichnet weiter mit links. Bravo ! Den Kunstlehrer behält er in unangenehmer Erinnerung, nicht zuletzt wegen der meist miesen Benotung. Vermutlich war der gute Mann ein verspäteter Anhänger der „Ambidexter“- Experimenteure, die seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 60er Jahre ihr Unwesen trieben.

Irgendwann Anfang der 70er entdeckt der Linkshänder seine Fähigkeit, mühelos mit der linken Hand Spiegelschrift zu schreiben. In einer Radiosendung war das Thema zur Sprache gekommen. Einfach mit der linken Hand die gleichzeitig mit der rechten Hand vollführten Schreibbewegungen nachvollziehen. Eltern und Brüder wundern sich. Damals wagt er es, die „Familiengitarre“ auf links umzuspannen und nimmt sie fortan in Besitz.

1974 das erste Auto, ein metallic-blauer VW-Käfer : Automatik . Er hatte zwar in der Fahrschule ein Auto mit Schaltung, konnte sich aber nie so recht damit anfreunden.
Und das sollte für den Rest seiner Autofahrerzeit so bleiben. Benzin umrühren und dann auch noch mit rechts ? Nein danke.

Anfang der 80er bricht der umgeschulte Linkshänder sein rechtes Handgelenk. Um seine bürolichen Schreibarbeiten ungehindert weiterführen zu können, schreibt er für ca. 4 Wochen nur Spiegelschrift. Sehr zur Verwunderung seines Chefs muss er seine spiegelschriftlichen Aufzeichnungen vor einen Spiegel oder von hinten gegen die Sonne halten, um sie selbst lesen zu können.  

Anfang der 90er sich verfestigender Bewusstseinsprozess aufgrund zweier immer wiederkehrender, frustrierender Erfahrungen:

-Die teilweise archaisch anmutenden Einstellungen der  
 Mitmenschen zum Thema Linkshändigkeit nach dem  
 altväterlichen Motto: „Mein Sohn wird kein Linker!“

-Die schulterzuckend-kichernde Ignoranz der Einzelhändler 
 bei der Frage: „Haben Sie das auch für Linkshänder ?“

1997
Gründung der Zeitschrift Left Hand Corner.

Vater + Sohn, Robert Martin, 02-1996, A4, Wachs auf Papier
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