| Erstveröffentlichung dieses Artikels in LEFT HAND CORNER
Nr.8 07-1999 Seiten 16-21:
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| Zur Bedeutsamkeit einer Händigkeitsdiagnostik für die berufliche Praxis |
| aus der Sicht der Beratungs- und Informationsstelle
für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder, München
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Dr. Johanna Barbara Sattler, Dr. Ivo-Kurt Cizek, Dipl.-Psych. , M.A. (Soz.) PRO und CONTRA einer Händigkeitsdiagnostik für die berufliche Praxis. Eine Händigkeitsdiagnostik in der beruflichen Praxis kann nur dann sinnvoll sein, wenn die daraus gewonnenen Ergebnisse zu folgenden Zielen verwendet werden:
eine bessere Konkurrenzfähigkeit für Linkshänder. Ebenso schlimm oder noch negativer wäre der Versuch, aufgrund von voreiligen Schlüssen (pauschalisiert angegebene größere Gefahr von Arbeitsunfällen) und statistischen Fehlern, z.B. die angebliche frühere Sterblichkeit von Linkshändern* , Linkshänder in Kranken- und Lebensversicherungen als Risikogruppe zu behandeln (wir haben beides bereits im Ansatz erlebt). Ein weiteres Phänomen, an dem sich PRO und
CONTRA einer Händigkeitsdiagnostik für die berufliche Praxis
sehr krass beleuchten lässt, ist die Neigung vieler Linkshänder,
eher besser erst allein produktiv zu arbeiten und dann ihre Arbeit in die
Gruppe einzubringen.
Eine Händigkeitsdiagnostik könnte hier
im positiven Falle helfen, unsinnige Anforderungen an einen lieber allein
arbeitenden Menschen zu verhindern. Im negativen Fall kann die Händigkeitsdiagnostik
aber auch sehr missbräuchlich angewandt werden. Sie ist in gewisser
Weise weit leichter durchführbar als z.B. das "Herrmann-Brain-Dominance-Model",
birgt in sich aber größere Gefahren, die von der Händigkeit
als eher unabhängig zu betrachtenden Eigenschaften, Begabungen, Charakter,
Intelligenz und Gedächtnisfähigkeit eines Mitarbeiters außer
acht zu lassen.
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| Voraussetzungen für eine nützliche Händigkeitsdiagnostik in der beruflichen Praxis |
| Wir haben heute eine Situation, dass die Aufklärung
über Händigkeit und Folgen der Umschulung der Händigkeit
in den Grundschulen, also im pädagogischen Bereich durchaus Fortschritte
gemacht hat.
Trotz aller Bemühungen haben wir es aber noch nicht geschafft, dass ein großer Anteil der Lehrer den linkshändigen Kindern eine lockere Schreibhaltung zeigen kann und dies zum Teil sogar überhaupt nicht für notwendig hält. Linkshändige Kinder werden bei dem Suchen einer guten Schreibhaltung im Kampf gegen das Verwischen der Tinte noch oft sich selbst überlassen. In Unterrichtsfächern wie Textilarbeiten und Werken wird noch weniger auf Linkshänder eingegangen. Sport, insbesondere Geräteturnen und der Umgang mit bestimmten Sportgeräten ist wenig untersucht und noch viel weniger werden Ergebnisse konsequent in den Unterricht umgesetzt. So stehen wir heute vor einer Situation, dass
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| Schlußfolgerung |
Um eine Händigkeitsdiagnostik für die
berufliche Praxis sinnvoll und effizient zu machen, soll beachtet werden,
dass
Letzteres setzt wieder eine breitere Forschung und vor allem eine breitere, aufklärende Diskussion in der Öffentlichkeit und auch eine Schulung der Verantwortlichen voraus. Diese Aufklärungs- und Schulungsarbeit wird aber an viele alte Vorurteile stoßen vor allem aus dem tradierten, oft fast mythischen Bereich. Weiter werden sich berufserfahrene, erfolgreich (gegen ihre Natur) hantierende Linkshänder und umgeschulte Linkshänder mit folgender Aussage zu Wort melden, dass sie keine Probleme mit den aus ergonomischen Gesichtspunkten zwar für sie ungünstigeren Geräten und Abläufen hätten, sondern im Gegenteil, dass sie gerade mit zur Linkshänderanwendung ergonomisch angemesseneren Geräten nicht zurecht kämen und sie werden dadurch für große Irritationen sorgen. Das bedeutet, wir müssen zwischen den linkshändigen Menschen unterscheiden, die ungünstige Handlungsabläufe mühevoll automatisiert und für sich akzeptabel gemacht haben und den Linkshändern, die alle Abläufe neu erlernen und die vor allem diese ergonomisch für ihre Händigkeit günstigeren Geräte ohne vorheriges "Verlernen von Automatismen" benutzen können. Hier ist neben ergonomischer Forschung viel Aufklärungsarbeit mit Einfühlungsvermögen für beide diametral unterschiedlichen Linkshändergruppen notwendig und eine Bewusstmachung in der Bevölkerung an den entsprechenden amtlichen Stellen, die mit Unfallprävention, Arbeitsmedizin, Entwicklung von ergonomischen Hinweisen für Geräte und Maschinen beschäftigt sind, äußerst notwendig. Aus unserer über 15jährigen wissenschaftlichen und gleichzeitig stark auf die Praxis bezogenen Arbeit wissen wir, was für einen mühsamen Weg gerade die Bewusstmachung der Problembereiche in Handlungsabläufen bedeutet und dass dies nicht nur "von oben herab" gemacht werden kann, sondern auf allen Ebenen erarbeitet werden muss. Dazu gehören auch Berufsschulen und Lehrpläne und es ist notwendig, immer wieder eine größere Toleranz und das Bewusstsein, dass es so etwas wie einen Linkshänder überhaupt gibt, zu pflegen. Letztendlich sollten aber bei vielen Geräten, Maschinen und Anordnungen auch Lösungsmöglichkeiten überdacht werden, die sowohl einen gleich günstigen Gebrauch für Linkshänder als auch für Rechtshänder ermöglichen. Bei vielen Geräten wird es sicher im Laufe der Zeit zu einer "beidhändig" gleich guten Zugänglichkeit und Benutzbarkeit kommen. Fußnote: * Sattler, J. Barbara, ""Sterben Linkshänder früher ? Auseinandersetzung mit einer wissenschaftlichen Studie". In: Das linkshändige Kind in der Grundschule. Herausgegeben vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung. Vertrieb Auer Verlag Donauwörth 1993, 1998 (8), S. 111-116 |