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Ein schräger Vogel:

Der Schiefschnabel aus Neuseeland

oder

"Linksauge sei wachsam!"


Für Liebhaber linkshandlastiger Anekdoten haben wir etwas Hübsches gefunden in dem Buch "Das geheime Leben der Vögel"
von David Attenborough (Verlag Scherz München 1999). Zu allem Überfluss ist der Name des (hervorragenden) Englisch-Übersetzers auch noch: Hans Link. Aber das nur am Rande.

Zitat ab S.120:

"Andere Vögel suchen ihre Beute am Rande der Gewässer. Der Schiefschnabel, ein kleiner Regenpfeifer, sucht in Neuseeland steinige Flussufer ab. Sein Schnabel ist einzigartigerweise seitwärts gebogen, und zwar immer nach rechts. Mit zur Seite geneigtem Kopf erreicht er so auch die Fischeier, Insektenlarven und anderen Leckereien unter größeren Steinen. Geht man der Frage nach, warum dieser Vogel als einziger weltweit eine solch merkwürdige Technik entwickelt hat, dann bietet sich die Erklärung an, dass es in Neuseeland bis in die jüngste Zeit keine Landraubtiere gegeben hat. Gefahr drohte dem Schiefschnabel nur aus der Luft- in Gestalt eines Greifvogels. Die Nahrungssuche und -aufnahme mit seitwärts geneigtem statt gesenktem Kopf machte es ihm möglich, dabei ständig den Himmel im Auge zu behalten."

Schiefschnabel in Neuseeland

. . . und zwar im linken. 

(Norbert Martin, Left Hand Corner 05-2008)


Pferde, Elefanten, Krabben, Papageien

05-2002

Pferde

Pferd mit links geführt
In der Regel führt der Mensch das Pferd an seiner rechten Hand und die Straßenordnung für den reiterlichen Verkehr sagt ihm weiter: 

Im Angesicht des Pferdes immer von rechts aufsteigen, d.h. der linke Menschenfuß (bei Rechtshändern also der Standfuß) geht in den Steigbügel, das rechte Bein (bei Rechtshändern also das Spielbein) schwingt sich über das Pferd.

Unberücksichtigt bleiben dabei zwei Fakten:

1) Außer Rechtshändern, also Linksstehern, gibt es auch Linkshänder, also 
 Rechtssteher unter den Reitern.

2)  Außer rechtshändigen gibt es ebenso auch linkshändige Pferde auf der Welt.

Bei der genannten Aufsteigmethode wird das Tier zunächst mit dem ganzen Körpergewicht des Reiters auf den beiden linken Läufen belastet, was der Standbein-Muskulatur eines rechtshändigen Pferdes sehr wohl entgegenkommen dürfte. Handelt es sich allerdings um ein linkshändiges Pferd, widerspricht diese Anfangsbelastung eigentlich seiner Natur.

Wäre es nicht viel sinnvoller, sowohl die Händigkeit des Pferdes als auch die des Menschen zunächst festzustellen und dann auch zu respektieren ? Also einem linkshändigen Pferd auch einen linkshändigen Reiter zuzuteilen und umgekehrt?  Statt dessen wabert die Mähr von der Stärkung der schwächeren Seite durch Boxen, Ställe, Hallen und Koppeln. "Damit das Pferd insgesamt mehr an Elastizität gewinnt, trainiere ich es, gerade wenn es Linksfüßer ist, auch auf rechts. . . ", flüsterte mir eine junge Pferdeflüsterin aus Wuppertal.

Wie ein gewisser Herr Knoll bereits in den 50er Jahren herausfand (*),  stellen Pferde immer wieder ihr starkes Bein heraus. Dies konnte er während seiner 40 Jahre langen Beschäftigung mit Pferden, bei der er ca. 100 Pferde näher kennen lernte, bestens beobachten. Jeder Reiter, der sein Pferd kennt, weiß somit, ob es Links- oder Rechtshänder ist. Die dominante Seite greift weiter aus, die andere läuft eher mit. 

Dass linksläufige Pferde zur Rechtsläufigkeit umdressiert werden, bestätigt schon Wilhelm Ludwig 1932 (**). Dies schreibt er der Tatsache zu, dass die Reiter und vor allem die "Zu"-Reiter, rechtsbeinig sind. 

Und von denen düfte ja der eine oder andere auch schon durch die Um-Dressur  durch seine menschlichen Artgenossen gegangen sein. So pflanzt sich dann also die Rechts-Kultur fort vom Menschen aus bis hinein in die Welt der wehrlosen Kreaturen. Ludwig fand durch Befragung mehrerer Reitschulen heraus, 

"dass unter den zugerittenen Pferden die Mehrzahl den Rechtsgalopp bevorzugen. Junge, nicht zugerittene Pferde aber sollen lieber links galoppieren, und das Gleiche wird übereinstimmend von 'wilden' Pferden berichtet, z.B. solchen, die frei in der Puszta aufwachsen."

Bereits im August 2000 fragten wir bei dem bundesweit bekannten Reitfilosofen Fred Rai zu dem Thema Umdressur bei Pferden an, erhielten aber leider niemals eine Antwort. (www.fred-rai.de) Vor allem bewegte uns die Frage, ob hier nicht der Grund für die "Störrigkeit" mancher Pferde liegen kann. 
 
 

Elefanten


Kommen auch indische Holzfäller auf die Idee, ihre Arbeitselefanten auf eine bestimmte Seite zu trimmen ? 
Der Elefant zeigt durch Bevorzugung eines vorderen Arbeitsbeines, wes Geistes Kind er ist. Auch ist in freier Wildbahn immer wieder beobachtet worden, dass nur einer von beiden Stoßzähnen als Hauptwerkzeug verwendet wird, um zur Gewinnung von Wasser oder von Salzkristallen Löcher in die Erde zu bohren. Dieser Arbeitsstoßzahn wird anschaulich als „slave“ (Sklave) bezeichnet und ist den Elfenbeinwilderen aufgrund seiner größeren Abnutzung ein Dorn im Auge.
 
 

Krabben

Auch bei den so genannten Winker-Krabben finden wir gleichmäßig verteilt Linkshänder und Rechtshänder. Bei dieser Spezies ist immer eine Schere größer als die andere, entweder die linke oder die rechte, wobei die grössere immer auch als Signalgeber verwendet wird. Zur Anbahnung der Paarung wird erst einmal kräftig gewunken und schon wissen die Liebespartner über die „Scherigkeit“ ihres Gegenübers Bescheid.

Papageien


Unter den 300 verschiedenen Arten der nach dem Verhalten und der Entwicklung des Gehirns höchstentwickelten Vögel gibt es viele, die als Greiffuß grundsätzlich den linken verwenden. Ausschließlich mit diesem auch beim Klettern aktiveren Fuß wird die Nahrung zum Schnabel geführt, während der Körper auf dem anderen Bein, dem Standbein, ruht. Auch beim Schlafen steht das Tier auf seinem Standbein. 

Was beim Menschen üblich ist und in milliarden Fällen "gelingt", die Umerziehung, wollte man auch beim Papageien ausprobieren. Ludwig:

" Angemerkt zu werden verdient, dass eine Umgewöhnung durch Zwang möglich ist, denn bei allen mit einem Bein durch eine Kette angehängten Tieren wird das freie Bein als Greifbein verwendet. --- Mit Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass die Hälfte der Tiere das linke, die Hälfte das rechte Bein zum Greifen benutzt, dass die Beinigkeit hier also zwar individuell konstant, artlich aber razemisch (arten-übergreifend) ist. "
(s. **, S. 242)

Es ist nicht bekannt, ob es hierzu auch einen Langzeitversuch gab mit z.B. folgenden Fragestellungen: Wie verhält sich das Tier, wenn es über einen längeren Zeitraum von vielleicht sogar Jahren am dominanten Bein angekettet war und dann befreit wird ? Geht es sofort wieder über in den natürlichen, seitenrichtigen Gebrauch der Klaue, tut es das erst nach einer Gewöhnugszeit oder unterlässt es das ganz ? 

Ob sich die "Beinigkeit" der Papageien auch auf ihre "Hände", sprich Flügel bzw. Flugverhalten, auswirkt, wird nicht berichtet.   Ein vielleicht noch interessanterer Forschungsgegenstand wäre auch die Frage nach Zusammenhängen zwischen Beinigkeit und "Sprach"-Fähigkeit domestizierter Papageien-Vögel.

Unserer Meinung nach ist aber, unabhängig von obigen  Fragestellungen, das Dasein eines ganz "gefangenen", also sich z.B. in einem relativ kleinen Käfig oder Voliere eingekerkert findenden, an sich doch sicher lebens- und fluglustigen Papageien doch recht unangenehm.

Da zögen wir doch lieber die freie Haltung nach Seeräuber-Manier vor, also frei fliegend und ab und zu nach Lust und Laune auf die Schulter des "Herr- bzw. Frauchens" zurück kehrend.

Wie von vielen Zuchthaus-Papageien-Haltern bekannt ist, bewahrt sich der Flügel-beschnittene-gestutzte einen letzten Rest von Würde und hält gleichzeitig seinen Knast sauber, indem er seinem Wärter ein's "scheißt". Hinaus in's Freie, zwischen den verhassten Gitterstäben hindurch, werden die Exkremente gespritzt. Ähnliches kennt man ja auch aus dem Raubkatzen-Zoo: "Vorsicht ! Die Tiere spritzen ins Publikum"

(c) Norbert Martin Verlag Left Hand Corner 05-2002
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* Josefine Kramer, "Linkshändigkeit", Solothurn/Schweiz, 1970

** Wilhelm Ludwig "Das Rechts-Links-Problem im Tierreich und beim Menschen", Berlin 1932, 1970


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