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Aus der Schule geplaudert I 

Veröffentlichung in der Zeitschrift „Left Hand Corner“ Nr. 1 17.10.1997

Ein bisschen aus der Schule geplaudert (Auszug)

Das schöne Werk „Der umgeschulte Linkshänder“ von Frau Dr. J.B. Sattler muss man schon ganz weit durchblättern (oder auch nicht, falls man zur Zunft der links-von-hinten-Blätterer gehört), um auf Hinweise in den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer zur Behandlung linkshändiger Kinder beim Erstschreiben zu stoßen. Hier einige Beispiele 

Hessen:

„........ . Erst wenn die Kinder mit der Linken genauso geläufig wie die Rechtshänder schreiben, kann man den Versuch machen, sie allmählich zum rechtshändigen Schreiben hinzuführen..“

Na Bravo! Ob der Rahmenlehrplan inzwischen entschärft wurde, ist leider nicht bekannt. Jedenfalls war dieser Satz 1995 noch gültig. Es bleibt zu hoffen, dass die Damen und Herren Lehrkräfte mit ihrer „Hinführung zum rechtshändigen Schreiben“ recht erfolglos waren. Aber was sollen die Würmchen schon solcher „Hinführungs“-Wut entgegensetzen?
 

Mecklenburg-Vorpommern

„Die vorläufigen Rahmenrichtlinien des Landes ..... enthalten gegenwärtig noch keine individuellen Hinweise zum Erlernen des linkshändigen Schreibens bzw. zum Umgang mit Linkshändern.“

Basta. Das war´s. Stammt übrigens aus einem Schreiben des Ministeriums vom 18.1.1995 also doch schon um die sechs Jahre nach der „Wende“. 
Also, jeder Lehrer macht einfach, wie er will. Wünschen wir den Eleven im Nordosten viele linkshändige Lehrkräftinnen und Kräfte.
 

Nordrhein-Westfalen

Wie zu erfahren war, existiert ein wie auch immer geartetes Linkshänderproblem in diesem Bundesland nicht. Wir gratulieren ! Jedenfalls besagt hier der Lehrplan Deutsch 1985:

„Besondere Beachtung verdienen Linkshänder. Erzwungene Umstellung muss unterbleiben, um psychische Fehlentwicklungen zu vermeiden.“

Aha ! Wäre doch zu fragen: Wie halten wir´s mit der nicht erzwungenen Umstellung ? Nach dem Motto: Das Kindlein solls später doch mal leichter haben. 
 
 

Saarland

Einen besonderen Leckerbissen finden wir hier im vorläufigen Lehrplan Deutsch 1991: 

„Kinder, die die linke Hand bevorzugen, sollten genau beobachtet und (Achtung, jetzt kommt´s) auf die Vorteile der Rechtshändigkeit hingewiesen werden.“

Peng ! Handelt es sich hier etwa um einen Schreibfehler und wollte man eigentlich sagen:   ....., sollten genau beobachtet und auf die Vorurteile der Rechtshänder hingewiesen  werden?

Die Vorteile d Rechtsh

Man stelle sich das mal vor. Das Würmchen sitzt in der Klasse, umgeben von kichernden und feixenden Rechtshänderlein. Die Lehrkraft, ganz BeamtIn, erzählt von den Vorteilen der Rechtshändigkeit, dass es eine Freude hat.

Unser Linkshänder-Würmchen kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Rest der Klasse suhlt sich in Zufriedenheit. Und schon haben wir wieder ein gewaltfrei und unblutig umgeschultes Menschenkind.
Also bitte, erzählt in Zukunft auch ein bisschen was über die Vorteile der Linkshändigkeit. Dankeschön !

Thüringen

Zum Schluss versöhnliche, fast möchte man sagen, wohltuende Klänge, an welchen besonders die Unmissverständlichkeit entzückt:

(Vorläufiger Lehrplan Grundschule 1993)

„Aufmerksamkeit ist Kindern zu widmen, die eine Anlage zum Linksschreiben haben. Ihnen ist besonders bei der Überwindung der durch die Schrift bedingten objektiven Schwierigkeiten zu helfen. Ziel kann nicht die Umstellung zur Rechtshändigkeit sein.“

Sehr schön. Klar und eindeutig. Kein Gefasel von wegen „Zwang und Gewalt vermeiden“ etc.

Zur Belohnung gibt´s eine Thüringer Rostbratwurst mit ohne alles.


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