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Das @Dr. Jörg Senf, LHC-Korrespondent in Italien,
übermittelte uns unten stehenden Text der Autorin Gudrun Wünsche aus Dieburg. Gegenstand ist die linkste Taste im Buchstabenfeld handelsüblicher (deutscher) Tastaturen*
Das @

Die durchgedrehte Ligatur (w., lat.: Verbindung mehrerer Buchstaben zu einem Druckzeichen)

Ein wunderliches Zeichen geht um die Welt.
Aber wo kommt es her?

Ein kleines A mit gegen den Uhrzeigersinn herumgedrehten Kringel macht Weltkarriere und nistet sich mit Macht auch im deutschen Buchstabenbewusstsein ein. Computerfans und Internet-Begeisterten ist es längst bekannt. Sie nennen es Klammeraffe, Affenohr, manchmal auch Affenschwanz oder, überseriös, at, denn es soll vom englischen Wort für "je“ oder "bei“ stammen. 

Soll . . .  .

Unsere Forschung nämlich schweigt noch dazu.  Wer Lexika zum Klammeraffen befragt, wird enttäuscht. Sogar der Informatik-Duden glänzt mit Nichtwissen. Dabei verunstaltet das Zeichen bereits Zeitschriftentitel (pl@net etwa). Auch murren Buchdrucker über die zu grossen Ober- und Unterlängen des @ - sie müssen ja neuerdings E-Mail-Adressen auf Visitenkarten drucken. 

Der Klammeraffe trennt für die Mail-Adresse den Menschen von der Maschine: links die Person, dann das ominöse Zeichen, dann die Netzdomäne, die den Menschen bedient. 

Das Zeichen kam auf wunderliche Weise dorthin - durch Ray Tomlinson, der 1972 für die damaligen Computernetze den elektronischen Postversand schuf und nach einem Zeichen suchte, das niemals in einem Namen auftauchen würde und damit als eindeutiger Trenner dienen konnte. Er blickte auf seine Tastatur, ein Model 33 Teletype, und fand @, das passender Weise auch "bei“ heisst. 

Bloß, wo kommt der Klammeraffe ursprünglich her? 
Kenner der angloamerikanischen Kultur versichern glaubhaft, das at-Zeichen sei die Entsprechung des französischen à mit Accent grave: five apples at ten cents. Kaufleute hätten das in England lange so auf ihre Preisschilder geschrieben. So heisst @ dort auch commercial a; deshalb ist es bereits auf den ersten amerikanischen Schreibmaschinentastaturen zu finden. Auf der iberischen Halbinsel ist @ aus dem Jahr 1555 zum ersten mal überliefert.  Spanische, portugiesische und dann auch franzoesische Kaufleute nutzten ein Maß namens arroba. Das Wort ist arabisch, Ar-roub bedeutet "das Viertel“.  Arroba, Arobas wurde mit dem Klammeraffen dargestellt. Der Name arroba für das @ hat sich seither in Spanien und Frankreich gehalten. 

Wer weitersucht, stößt auf eine große Leere. Nur der amerikanische Paläograf B.L. Ullman meint in "Ancient writing and its influence“ von 1932, das @ sei eine mönchische Ligatur oder Abbreviatur des Mittelalters, eine Abkürzung des lateinischen ad. Diese These lässt sich selbst an spätmittelalterlichen Schriften nicht belegen.
26 mal @
Für die internationale Benennung des Klammeraffen in der Gegenwart ist das Internet ein übersprudelnder Quell. 
Die Linguistin K. S. Chung hatte per e-Mail nach dem Namen des Symbols in der Heimatsprache ihrer Adressaten gefragt. Die Antworten - aus vierzig Sprachen, referiert von 115 Zusendern - ergeben ein unglaubliches Dokument mit mehr als 1500 Zeilen, veröffentlicht im Netz (aber nicht mehr da) unter http://www.emich.edu/linguist/issues/html/ 7968.html.  Vom serbischen "verrückten A“ bis zur poetischen türkischen "Rose“ reichen die Namen in dieser Aufstellung. Affenschwanz oder -Schwänzchen sagen die Niederländer, die Polen kurz Affe. Die Dänen nennen es Sauschwanz oder Rüssel-A. Die Engländer, Franzosen, Italiener und auch die Koreaner machen es zur Schnecke. Die Mandarin-Chinesen sagen Mäuschen, die Griechen dagegen Entchen. In Tschechien  geniesst man das @ sauer und sagt Rollmops. Gebäck muss herhalten beim hebräischen Strudel, bei der schwedischen Zimtrolle, oder beim polnischen Schweinsohr. Die Polen sagen auch Kätzchen, die Finnen Miukumauku (Finnisch für Miau), die Russen meistens Hündchen (sobachka), die Thais geringelter Wurm.
Am besten haben es vielleicht ein paar Engländer getroffen, die das @ bildkräftig einfach laughter nennen - das Gelächter.

* Tastaturen bzw. Keyboards sind international oft unterschiedlich. So findet sich das typisch deutsche Knubbel-ß z.B. auf englischen Boards oft überhaupt nicht (s.a. LHC-6) . Auch beim @ gibt es unterschiedliche Positionen. Z.B. in Italien liegt es ganz rechts. Es ist bei allen nötig, eine zusätzliche Taste zu drücken. Z.B. in unseren Breiten das "Alt Gr". Insofern besitzt das @ bezüglich unseres Lieblingsthemas große Symbolkraft, d.h. zuerst betätigen der rechten (Gehirn-) -Hälfte, damit auf der linken Seite etwas heraus kommt. So denkt auch der Smiley (-:°

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