Die Hemisphärizität des Gehirnesund ihre Konsequenzen für die Erziehungvon Yves DorfsmanÜbersetzung vom Englischen ins Deutsche durch Norbert Martin,
05-2003. Ein Portrait des Autoren Yves Dorfsman und seinen Originaltext
in Englisch finden Sie unter http://web.cuug.ab.ca
Ziele
Lokalisierung der Funktionen im Gehirn, und besonders die Verteilung dieser Funktionen auf die beiden Hemisphären. Dominanz-Verteilung: Sind wir eine Rechts- oder Links-hirnige Person ? Konsequenzen aus beiden o.g. Punkten für die Erziehung. Diese Studie wurde nicht so sehr sequentiell vorgenommen, sondern ergab
sich eher nebenbei. Das Projekt war Teil eines Kurses "Erwachsene als Lernende"
im CAL-Programm (Certificate in Adult Learning) der Universität von
Calgary. (Kanada)
Hemisphärizität?
Das ist schon seit langer Zeit bekannt, aber erst 1836 entstand ein erster Entwurf, dass diese beiden Teile unterschiedliche Funktionen haben: Marc Dax stellte fest, dass mehr als 40 seiner Patienten, die ihre Sprachfähigkeit verloren hatten, alle unter Schädigungen des linken Gehirnes litten. Seine Veröffentlichungen fanden aber kein Interesse, da er keine Patienten mit rechtsseitigen Hirnschädigungen finden konnte. Aber zwischen 1865 und 1873 betrieben Paul Broca und Karl Wernicke beträchtliche Forschungen an Menschen mit Gehirn-Schäden und fanden eine Verbindung der linken Hemisphäre und der Sprachfähigkeit (1,2,5) 1916-1918 fanden Holmes und Reichardt heraus, dass Menschen mit rechtsseitiger Gehirn-Schädigung Raumorientierungs-Probleme hatten. Zum Beispiel kannten diese Menschen sich selbst in einem Haus, das sie jahrelang bewohnt hatten, nicht mehr aus. (5) Darüber hinaus haben Menschen Probleme mit jenen Gliedmaßen, die der geschädigten Hinrnseite gegenüber liegen (hat jemand rechtsseitige Gehirnschäden, wird er Probleme haben den linken Arm, Bein etc. zu benutzen). Die Forschungen über die Ansiedlung der Funktionen im Gehirn entwickelten sich weiter: -Durch Beobachtung von Menschen mit Gehirn-Schäden -Durch Testung einer Hirnhälfte bei gesunden Menschen, indem Elektroden an einer Hemisphäre angebracht werden (Montreal Neurological Institute) oder indem eine Hirnhälfte durch Injektion von Betäubungsmitteln in eine der Halsschlagadern in einen Schlafzustand versetzt wird. (Juhn Wada, Der Wada-Test) -Durch Tests an Split-Brain-Patienten: Beide Hemisphären sind durch einen Strang verbunden, den Corpus callosum. Aus medizinischen Gründen, z.B. in Fällen von Epilepsie, die mit anderen Mitteln nicht mehr behandelt werden kann, wurde chirurgisch diese cortikale Verbindung durchtrennt, davon die Bezeichnung "Split-Brain-Patient" (Roger Sperry arbeitete sehr viel an diesen Patienten und erhielt dafür 1981 den Nobelpreis für Medizin). -Durch Beobachtung der Hirn-Aktivitäten mit technischen Mitteln, wie EEG, Magnet-Resonanz etc. (diese Techniken werden heutzutage noch weiter entwickelt). Die Steuerung unserer Gliedmaßen, der Sprachfähigkeit und der räumlichen Orientierung gelten heute als lokalisiert (alle Glieder und Körperteile scheinen mit der gegenüber liegenden Gehirnhälfte verbunden zu sein, außer den Nasenflügeln und den Augen. Die Nasenflügel hängen an der jeweils gleichseitigen Hemisphäre. Bei beiden Augen wird die eine Hälfte des Gesichtsfeldes von der anderen Hirnhälfte kontrolliert. Z.B. verläuft die Information aus dem rechtsseitigen Gesichtsfeld beider Augen zur linken Gehirnhälfte). Das sogenannte Sprachzentrum setzt sich aus 3 Bereichen zusammen:
In der anderen Hemisphäre (die ich jetzt die rechte Hemisphäre nennen werde) findet sich die räumliche Wahrnehmung. Sie scheint mehr aktiviert zu sein, wenn wir Gesamtmuster betrachten oder ein Bild als Ganzes (im Gegensatz zu Einzelheiten daraus) oder das Klangbild eines Musikstückes. Darüber hinaus gibt es bei den meisten Menschen eine physische
Differenz zwischen den zwei Hemisphären:
Mehr Informationen über die Geschichte der Gehirn-Hemisphären-Forschung geben die Referenzen (1), (2) und (5). Ganz Aktuelles zum Stand der Lokalisierung der Gehirn-Funktionen gibt es auf der Internet-Seite ric.uthscsa.edu/services, dem sogenannten "Brain Map Project" (2). Woher kommt der Unterschied? Hypothesen wurden aufgestellt, dass ein oder zwei Gene die Gehirn-Dominanz und die Händigkeit determinieren (besonders 1964 und 1972), aber sie konnten nie bewiesen und die Gene nie gefunden werden (5). Studien an Mäusen haben auch bei diesen eine "Pfötigkeit" nachgewiesen in einem Verhältnis von 50 zu 50. Eine Studie wollte nachweisen, dass eine Verbindung zu einem Elternteil bezüglich der Pfoten-Präferenz besteht, was aber nicht gelang (3), (5). Auch die Annahmen, dass die überwiegende Benutzung der rechten Hand und des linken Gehirnes für die Sprache ihren Ursprung im Erziehungssystem haben, trafen nicht zu. Denn dann ist nicht zu erklären, warum nach so vielen Generationen des Zwanges auf die rechte Hand noch immer 10 % der Bevölkerung linkshändig sind (3), (5). Der Anteil linkshändiger Menschen beträgt 10 % im Allgemeinen, 20 % bei Zwillingen und überall mehr als 10 % bei Künstlern jeglicher Art. Mehrere Hypothesen wurden entwickelt, um diese Unterschiede zu erklären, aber keine hat sich bis jetzt als richtig erwiesen (1). Bei einigen Singvögeln werden die zum Singen befähigenden
Organe durch zwei Nervenbahnen kontrolliert, eine linke und eine rechte,
jeweils verbunden mit der gleichen Hirnseite. Untersuchungen (1) haben
gezeigt, dass diese Vögel sich selbst hören müssen, um singen
zu können. Wenn bei einem ausgewachsenen Vogel die linke Bahn, die
zur linken Hirnhälfte führt, durchtrennt wurde, konnte er nicht
mehr richtig singen ("falsche" Melodien). Wenn die rechte Bahn durchtrennt
wurde, konnte er weiter ohne Probleme singen. Wenn bei sehr jungen Vögeln
die linke Bahn durchtrennt wurde, konnten sie gewöhnlich trotzdem
Singen lernen.
Verwirrung Es besteht viel Verwirrung darüber, was die beiden Hemisphären letztlich tun. Ganze Bücher wurden geschrieben, wie beide Hirnhälften genutzt werden können und wie viel besser es wäre, die rechte Hemisphäre zu nutzen. Die vom Verfasser aufgefundenen Werke empfahlen dazu den Gebrauch von Bildern, Metaphern, geistigen Reisen, Analogien, Musik etc. . . In der Tat brauchen alle diese Dinge verschiedene Funktionen aus beiden Hemisphären. Trainierte Musiker sind beim Erkennen einer Melodie schneller mit dem rechten Ohr (linkes Gehirn) und Menschen die musikalisch nicht geübt sind (weder musizieren noch singen) sind dabei mit dem linken Ohr schneller (1). Dies liegt möglicherweise an der Tatsache, dass Musiker beim Hören versuchen zu analysieren, obwohl sie die Musik möglicherweise mit der anderen Hirnhälfte genießen. Nachdem Maurice Ravel (1875-1937) einen Hirnschlag in der linken Hemisphäre erlitten hatte, konnte er Musik nicht mehr spielen, lesen, schreiben oder diktieren. Aber er konnte noch erkennen, wenn ein Klavier verstimmt war oder Spielfehler bei anderen Musizierenden entdecken (1) (3). Metaphern verwenden Wörter aus der Sprache und somit aus der linken Hemisphäre. Studien haben ergeben, dass beim Betrachten eines Bildes die am meisten aktivierte Hirnhälfte durch die Natur des Bildes determiniert wird (1). In ihrem Buch "Drawing on the right side of the brain" (1979, in deutsch "Garantiert Zeichnen lernen", 1982, 1996, 1997), welches sehr bekannt wurde (Deutsche Auflage 103.000) und dem gute Resultate beim Zeichnen lernen für Anfänger nachgesagt werden, weist Betty Edwards die Studenten an, die Details des zu zeichnenden Objektes zu betrachten und nicht das zu zeichnen, was sie meinen zeichnen zu sollen. Zum Beispiel verändert sie das Bild vom menschlichen Gesicht so, dass nur noch Linien gesehen und gezeichnet werden, anstatt zu versuchen so zu zeichnen, wie man denkt, dass ein Gesicht aussehen sollte. - Sie zeigt die Seitenansicht eines Gesichtes mit Brille, wobei die Brille dann wie der Buchstabe "T" aussieht. Sie kommentiert, die meisten Anfänger zeichneten einen Kreis mit einem Bügel, wenn sie versuchten, eine Brille, sogar von der Seite gesehen, zu zeichnen. ![]() Meiner Ansicht nach versucht sie zum Betrachten von Details, statt zum Betrachten des Ganzen hin zu leiten. - Tatsächlich aber ist das Betrachten von Details eine linkshirnige Funktion! Wie schon im Beispiel der Musiker, veranlasst sie bei ihrem Zeichenunterricht die Menschen möglicherweise, ihre linke Hirnhälfte mehr zu benutzen im Gegensatz zum Titel ihres Buches. Auch Funktionen wie die Sprache scheinen beide Hemisphären zu benutzen,
was sich bei genauerer Untersuchung oder mit Hilfe besserer Techniken zeigt.
Die linke Hemisphäre wird verwendet, um alle repetitiven Aspekte wie
Syntax, Klangstruktur etc. zu erkennen, während die rechte Hemisphäre
verwendet wird für alles, was mit Sinn oder Bedeutung zu tun hat (1).
Warum also so viel Verwirrung?
Die Attraktivität eines analytischen, westlichen, Zahlen durchkauenden linken Gehirnes und eines künstlerischen, östlichen rechten Gehirnes ist einfach zu groß, um sie nicht einfach zu akzeptieren. Zeitschriften und die Presse im Allgemeinen sind immer dann schnell zu einer Veröffentlichung von Aufzeichnungen und Resultaten bereit, wenn damit neue Ideen verkündet werden. Es liegt auf der Hand, dass eine Zeitung, die von nur geringen Fortschritten berichtet, wenig Leserschaft finden wird (1). Neben diesen Vorurteilen der Veröffentlicher war es bis vor ca. 2-3 Jahren noch sehr schwierig, eine durch einen Scanner gezeigte Aktivitäts-Gegend einem physischen Teil des Gehirnes zuzuordnen.: Keine zwei Menschen haben exakt das gleiche physische Gehirn und deshalb bestand die einzige Möglichkeit, das Aussehen eines menschlichen Gehirnes zu erforschen in der Öffnung des Schädels (2) (3). Und schliesslich ist es sehr schwer zu entscheiden, was mit einem bestimmten Test überhaupt getestet werden soll: Z. B. wird jeder Test, der Sprache beinhaltet (z.B. um die Testfragen zu beantworten) Aktivität in der linken Gehirnhälfte erzeugen . Sobald die Augen sich bewegen, werden mehrere unterschiedliche Bereiche des Gehirnes aktiviert. Es muss also jede Funktion isoliert auf das einfachst-mögliche Maß reduziert werden, um aussagefähige Resultate zu erhalten. (möglichst wenige Gehirn-Bereiche sollen aktiviert sein, sodass wirklich auf den Punkt genau ein Gehirn-Bereich lokalisiert werden kann.) Übrigens, gilt das denn für alle Menschen?
Das Gehirn ist ziemlich dynamisch und obwohl bestimmte Funktionen offenbar ihren natürlichen "Stammplatz" haben, kann das Gehirn diese Funktionen auch in anderen Bereichen entwickeln, wenn beim Stammplatz Schäden vorliegen. Dies würde erklären, warum jemand mit Schäden in der rechten Hirnhälfte noch immer sprechen kann, obwohl Sprache teilweise (Sinnerkennung) auch im rechten Gehirn produziert wird. Es sind Fälle bekannt von Menschen mit einer linken Hemisphärektomie ( ), die trotzdem wieder etwas sprechen lernen konnten, allerdings nicht mehr so gut wie vorher. Je jünger der Patient war, desto leichter war das Wieder-Erlernen der Sprache. Kultur kann die Lokalisierung im Gehirn beeinflussen: In einer Studie (3) versuchte Tadanobu Tsunoda herauszufinden, welche Teile des Gehirnes bei bestimmten Tests am meisten aktiviert sind: Für eine Person aus der westlichen Welt waren nur sprachliche Konsonanten
und Rechenaufgaben (bei allen Tests) links-hirnig, während für
eine japanische Person auch das Hören von Vokalen, menschlichen Stimmen,
Geräuschen von Tieren (Grillen-Zirpen) und traditioneller japanischer
Musik die linke Hirnhälfte aktivierte. Der Unterschied wurde damit
erklärt, dass Japanisch eine der sehr seltenen Sprachen ist, mit der
ein komplexer Satz nur unter Verwendung von Vokalen gebildet werden kann.
Dominanz der Hemisphären und Menschen-Typen
C. Beamish geht in einem Aufsatz noch weiter und klassifiziert MBTI-Haupttypen (SJ, SP, NF, NT) in linkshemisphärisch dominante, dann in linkshemisphärisch dominante mit rechtshemisphärischem Einfluss etc. Allerdings erwähnt er nicht, wie und wo er diese Korrelation herausgefunden hat (9). In einer Studie mit Rechtsanwälten und Handwerkern zeigten beide Gruppen das gleiche Reaktions-Verhalten bei links/rechts-Gehirntests (1). Studien der lateralen Augenbewegungen (Beobachtung der Blickrichtung
beim Denken bzw. Beantworten von Fragen) sind nicht schlüssig:
Es gibt mehrere schriftliche Tests zur Typen-Findung. Aber die Aufzeichnungen und Artikel darüber geben selten Informationen über die Testverläufe selbst und stellen nie in Frage, dass sie die richtigen Ergebnisse liefern. Diese Testverfahren sind: Human Information Process Survey (Taggart & Torrance, 1994)
Obwohl ich alle in der Bibliothek vorhandenen Nachschlage-Möglichkeiten nutzte, konnte ich keine weiter führende Literatur zu diesen Tests ausfindig machen. Dabei wäre es interessant gewesen, auf welcher Basis und aufgrund welcher Begrifflichkeiten die Menschen dabei klassifiziert werden. Speziell diese Zusammenhänge untersuchte kürzlich Bitner (7) und schloss: "Statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen Hemisphärizität,
Lerntypen und Konzeptions-Einordnungen konnten nicht festgestellt werden."
Konsequenzen für die Erziehung
Ihre Lösungsvorschläge gehen dabei in die Richtung dessen, was gewöhnlich als "ganzheitliche Erziehung" bezeichnet wird, was aber nicht notwendigerweise etwas mit Hemisphärizität zu tun haben muss. Der einzige andere Zugang der genommen wurde zum Thema Erziehung ist das "4MAT"-System (6). Bernice McCarthy ist Erfinderin dieses Systems, welches ein Modell darstellt für Lernabläufe. Es basiert auf zwei Theorien: Es gibt vier Lerntypen:
Menschen erkennen und verarbeiten Dinge unterschiedlich (offensichtlich basiert diese Aussage auf einer Arbeit von David Kolb). Man kann Informationen also konkret oder reflektierend aufnehmen und/oder weitergeben. Der Typ unter 1) erklärt sich aus Typ 2). Zum Beispiel behauptet sie, dass Typ 3) abstrakt aufnimmt und aktiv verarbeitet. Dann entwirft sie links- und rechts-Hirn-Aktivitäten für jeden Typ und kommt so zu einer Skala von acht Aktivitäts-Typen, die sie auf einen Lernplan verteilt (siehe Anhang A). Sie baut ihre Erkenntnisse zur Hemisphärizität auf die Arbeit Bogen's. Ich meine, es genügt nicht, nur einen Text zu kennen, um ein solch kompliziertes System ganz zu verstehen. Scott hingegen versuchte zu analysieren, wie gut das 4MAT-System funktionierte. Er stellte fest, dass nur vier Untersuchungen zu seiner Effizienz unternommen wurden (1994) und nur drei davon in formeller Art. Man nahm also zwei Gruppen von Schülern, die den gleichen Wissensstand in einem bestimmten Fach hatten, und versuchte nun, deren Wissensstand zu erweitern. In der einen Gruppe ging man dabei nach dem 4MAT-Plan vor, in der anderen Gruppe in einer mehr traditionellen Weise. Nach dem Kurs fand ein Test statt, aber kein eindeutiges Ergebnis konnte daraus erzielt werden. Scott gibt aber an, dass das System weithin in unterschiedlichen Schulen in USA und Kanada Anwendung findet und dass alle Lehrer, die danach vorgehen, es sehr nützlich finden und behaupten, weniger Probleme in der Wissenvermittlung an die Schüler zu haben. Vorbemerkung zur Schlussfolgerung
Meine Recherchen blieben begrenzt auf die Bibliothek der Universität von Calgary (allgemein, pädagogisch, medizinisch), eine Stadtbücherei in Frankreich und die "Mediatheque scientifique de la Villette" in Paris. Die einzigen rein wissenschaftlichen Texte, die ich finden und lesen konnte, stammten aus der ERIC-Datensammlung, die nur Texte aus US-amerikanischen Universitäten enthält. Auch dadurch war das Forschungsfeld eingeengt. Letzlich habe ich entschieden, aus dem mir vorliegenden Material eine
eigene Position zu beziehen. Das heißt, meine eigene Intuition und
Voreingenommenheit beeinflusste auch meine Schlussfolgerungen.
Schlussfolgerung
Keine unserer Tätigkeiten ist so simpel, dass für alles, was wir im Leben tun, nicht auch mehrere Gehirnregionen, höchstwahrscheinlich aus beiden Gehirnhemisphären, verwendet würden. Deshalb gibt es so etwas, wie eine Links- oder Rechtshirn-Person nicht. Wir können nicht bewusst eine Seite des Gehirns mehr benutzen als die andere und entgegen einer weit verbreiteten Auffassung wurde nie bewiesen, dass dies auch von Vorteil wäre. Würde man etwa besser schreiben, wenn man beide Hände dafür benutzen würde?. Unterschiedliche Lehrmethoden und -techniken helfen sicher bei der Wissensvermittlung, haben aber mit Gehirn-Hemisphärizität nichts zu tun. Wenn auch neuropsychologische und -medizinische Studien am Gehirn sehr interessant sind, sind sie meiner Meinung nach bis heute noch zu unausgereift, um für die Erziehung schon praktischen Nutzen zu bieten. Dagegen dürfte die kognitive Psychologie, die medizinisch-physische Fragen nach dem "warum" und "wo" eher außen vor lässt, mehr voran bringenden Nutzen für die Erziehung liefern. Zum Beispiel fiel mir zu den Referenzen 1) und 2) auf:
Das würde also bedeuten, dass man bestimmte Fähigkeiten des Gehirns aus- oder einschalten kann. Wie das für die Erziehung genutzt werden könnte, dürfte eine Untersuchung wert sein. Vielleicht das Thema für ein neues CAL-Kursprojekt?! Referenzen (Literaturhinweise) (1) Left Brain, Right Brain - Springer & Deutsch - W. H. Freeman
Company
Was habe ich gelernt?
Zu allererst fiel es mir überhaupt schwer, ein Thema heraus zu suchen. Dann fand ich ein interessantes Thema, aber dann entwickelte es sich mehrmals in eine andere Richtung. Der Grund für diese Entwicklung war zum einen die begrenzte Zeit, die zur Verfügung stand, zum andern, noch wichtiger, das Material, das ich bei meinen Recherchen fand und dessen Einfluss auf meine Schlussfolgerungen. Das stellte tatsächlich ein Problem an sich dar. Während ich also Aufsätze, Bücher etc. las, fand ich mich in einer Änderung meiner Folgerungen zum Thema und ließ jenes Material beiseite, welches in meine momentane Folgerung nicht hinein passte. Bewusst musste ich mich bemühen, auch jenes Material zu lesen und anzuerkennen, welches eine gegenteilige Ansicht vertrat. Zwei oder drei Tage vor Präsentation meines Projektes fand ich noch einige wenige Aufsätze, die mich nochmals zu einer Änderung veranlassten. Das wirft zwei Fragen auf: Was wäre, wenn irgendwo da draußen noch ein Text wäre, den ich noch nicht gelesen habe und der wiederum meine Auffassungen zu dem Thema ändern würde? Wie lange sollte man an einem Thema studieren, bis man zu Schlussfolgerungen kommt? Unter all dem aufgefundenen Material musste ich entscheiden, welches verwendbar war und welches ich verwerfen konnte. Ich bin mir noch nicht sicher, auf welcher Basis ich meine Auswahl getroffen habe. Ein Hauptfaktor dürfte die Wissenschaftlichkeit (basierend auf meiner Auffassung von Wissenschaftlichkeit) gewesen sein, mit der die Untersuchungen vorgenommen und Schlüsse gezogen wurden. Ich weiß, dass die Arbeiten eines Kopernikus, Galilei und sogar Newton auf dieser Basis zu ihrer Zeit zurückgewiesen wurden, was zeigt, dass einen Schlussstrich ziehen und Entscheidungen für Annahmen treffen, gefährlich sein kann. Aber wie können wir dann zu Schlussfolgerungen kommen? Kann das nicht sogar noch gefährlicher sein? Es war für mich das erste Mal, wissenschaftliche Abhandlungen zu lesen und ich war ziemlich enttäuscht darüber, dass sie alle nach dem gleichen simplen Muster vorgingen: -Präsentation des Themas
Das Schlimmste dabei ist, dass die meisten ihre Schlussfolgerungen so formulierten, dass sie in jedweder Richtung interpretiert werden konnten. So gut wie keine der Abhandlungen bezog eine eindeutige Position, nicht einmal beim Fazit. Das ließ mich nachdenklich werden über die Nützlichkeit eines Systems, in dem man Abhandlungen schreiben muss, um akkreditiert zu werden und in dem Doktoren und Professoren beurteilt werden nach der von ihnen produzierten Menge an Abhandlungen. Ist nicht gerade dies Anlass, Arbeiten ohne konkretes Fazit zu produzieren? Andererseits habe ich bei der Erstellung dieses Aufsatzes und genauer, bei den Recherchen dazu, viel gelernt, egal wie nutzlos er sein mag und ich gebe zu, dass dies vielleicht die beste Auflösung für einen Kursteilnehmer ist. (Übersetzung vom Englischen ins Deutsche durch Norbert Martin, 05-2003. Ein Portrait des Autors Yves Dorfsman und seinen Originaltext in Englisch finden Sie unter http://web.cuug.ab.ca ) |