Dieser Artikel ist erschienen in LHC-07 04-1999

Band Wolfgang Martin, 1995, Stift auf T-Shirt
 

MUSIK Brauchen wir die ?

Ja, natürlich, wird wohl ein jeder sagen. Also sollte auch hier gelten, was wir uns bereits für den Umgang mit Schrift und Sprache (LHC-06) gewünscht haben: Ein liberaler Umgang damit. Denn was ist „Musik“ anderes als eine Form von „Sprache“. 

„Warum macht Musik intelligent, Herr Professor Bastian ?“, fragte das „FAZ-Magazin“ am 21.8.98 Hans Günther Bastian, Inhaber des Lehrstuhls für Musikpädagogik Uni Frankfurt/Main. 

Kinder mit hohen „Musikalitätswerten“ haben auch einen hohen IQ, hat er herausgefunden, und „Frühes Musizieren  . . . beeinflusst die frühkindliche Intelligenz, und dies gilt vor allem für Kinder aus sozial unterprivilegierten Schichten.“ Und „ . . . es beeinflusst die kognitive (Erkenntnis gewinnende) Entwicklung in einer überdurchschnittlichen Weise . .“

Ob das denn auch physiologisch nachweisbar sei ? Das bestätigt er: 

„EEG-Messungen beweisen, dass Musikhören und Komponieren die Nervenzellen im Frontalhirn aktivieren, in der Region, in der das Kurzzeitgedächtnis lokalisiert ist.“ 
„Musik hinterlässt im Gehirn Spuren, die vorteilhaft sind für die gesamte Entwicklung von Kindern.“ 

Hier spätestens werden wir hellhörig.
Umschulung hinterlässt bekanntermassen ebenfalls „Spuren“ im Gehirn. Denn Umschulung ist zwar ein „unblutiger“ (Dr. J.B. Sattler), aber doch ganz massiver Eingriff in’s Gehirn. Und diese ist bei einem grossen Prozentsatz der Musiklehrer leider auch heute noch an der Tagesordnung (s. LHC-02 „Gitarrenlehrer’s Meinung“). Die Begründungen dafür sind vielfältig und die Zahl umgeschult musizierender Menschen z.B. bei Saiteninstrumenten vermutlich weit höher als die nicht umgeschulten. Zumindest die Situation im Instrumente-Handel und in den Orchestern lässt darauf schliessen.

Am Schluss des Interviews kann er sich’s dann doch nicht ganz verkneifen, in grosser Sorge um das Seelenheil der Kinder, seinem Begriff von „Liberalität“ Ausdruck zu verleihen: 

„Kein Wunder also, wenn viele zu Guildo-Horn-Jüngern werden, die in der Piep-Piep-Dämmerung ihr Heil suchen.“ Aber, aber, Herr Professor, es gab Zeiten, da galt die böse „Negermusik“ als „entartet“, nur schwarzbraune Haselnüsse und Bayreuther Getöse sollten dem Volksohr dienen. Danke, das brauchen wir nicht mehr !

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