Gitarrenlehrer´s Meinung

Unter diesem Titel ist in LHC-02 01-1998 ein Artikel erschienen.  Wir haben die damals gewonnenen Daten im Januar 2000 erneut ausgewertet und differenzierter kommentiert.

Hier unser Fragebogen, den wir im November 1997 an Musik-Schulen und -Lehrer für Gitarre und andere Saiteninstrumente in Hamburg, Hagen, Düsseldorf, Wuppertal, Frankfurt/Main und München gerichtet haben. Von sieben Instituten bzw. Lehrkräften mit insgesamt 200 Schülern erhielten wir Antwort. (N = 200) . 
(Abkürzungen LH=Linkshänder, RH=Rechtshänder)

Als Anhaltspunkte sind im hier gezeigten Fragebogen die u.E. bestmöglichen Antworten im Sinne von LH-Freundlichkeit eingekreist:



Fragebogen: Gitarrenlehrer's Meinung


A) Situation Schüler

1) Wieviele Schüler unterrichten Sie im Durchschnitt ?

Es waren alle Grössenordnungen von 10 bis 50 Schülern pro Institut bzw. Lehrkraft vertreten. 

2) Wie hoch ist davon der Anteil LH in % etwa ?

5 Lehrer mit insgesamt 170 Schülern gaben an "bis 5%" (also ca. 9 LH-Schüler) . Eine Lehrerin mit 20 Schülern gab an "mehr als 10%" (also ca. 2 LH-Schüler) und eine mit 10 Schülern gab an "0%". Ergibt zusammen ca. 11 Links-Spieler unter den insgesamt 200 Schülern = 5,5% LH-Schüler.

3) Wie wird die Händigkeit der Schüler festgestellt ?

Zwei Lehrer verliessen sich hier auf Angaben sowohl des Schülers als auch der Eltern. 4 Lehrer  fragten dazu nur den Schüler. Nur für einen Lehrer mit 10 Schülern interessierte diese Frage "überhaupt nicht".


B) Situation Lehrer

1) Die Frage nach der Händigkeit des Lehrers 

6 der 7 Lehrer gaben an, sie seien Rechtshänder. Eine Lehrerin mit 20 Schülern bezeichnete sich als umgeschulte Linkshänderin.

2) Wie bewertet die Lehrkraft die Einhaltung der Händigkeit ?

5 Lehrer hielten dies beim Erlernen des Instrumentes für "wichtig". Eine Lehrerin (20 Schüler) hält dies für "sehr wichtig", ein Lehrer (10 Schüler) für  "weniger wichtig".

3) LH können auch auf RH-Instrumenten lernen zu spielen. 

Bei fachmännischer Anleitung fällt ihnen dies meist "nicht schwer", sagten 2 Lehrer (30 Schüler). "Trotzdem etwas schwer", sagten 4 Lehrer (150 Schüler). "Trotzdem sehr schwer", bestätigte eine Lehrerin (20 Schüler). 

4) Das Ausweichen auf andere Instrumente, bei denen die Händigkeit 
    unerheblich ist

Dies empfahl nur eine Lehrkraft (20 Schüler). Die andern empfahlen dies nicht.

5)  Für LH empfehlen sich eher folgende Instrumente: 

Entsprechend der Beantwortung von Punkt 4) empfahl deshalb auch nur eine Lehrkraft (20 Schüler) folgende Alternativ-Instrumente:

Klavier, Horn, Trompete, Posaune, Schlagzeug.

6) Ist Seitenverkehrtheit für LH-Schüler bei RH-Lehrern ein Problem ?

Ein Nachvollziehen der vom RH-Lehrer vorgegebenen Hand- und Körperhaltungen ist für den LH-Schüler "schwerer, als für einen RH-Schüler", bestätigte ein Lehrer (50 Schüler). "Genauso schwer", sagten 3 Lehrer (90 Schüler). Die andern liessen diese Frage offen.



C) Situation Instrumente

1) Stellen Sie Ihren Schülern Leihinstrumente zur Verfügung ?

Nur 2 Lehrkräfte bejahten dies (100 Schüler).

2) Dürfen Ihre Leihinstrumente für LH-Gebrauch umgespannt werden ?

Ein Lehrer (20 Schüler) lehnte dies ab mit der Begründung: 
"1) Der Sattel des Instrumentes muss dafür hergerichtet werden ! Eine dicke E6-Saite passt nicht in die Nut einer dünnen E1-Saite. 2) Oft ist die Stegeinlage so beschaffen, dass die Bass-Saiten höher liegen.

Die 2 Lehrer (100 Schüler), die Instrumente verleihen, lassen auch das Umspannen zu. Die andern liessen diese Frage offen.


FAZIT:

1) Der Anteil von nur 5,5% links spielenden Saiten-Schülern ist überdurchschnittlich gering im Vergleich mit einem mindestens 15-30%igen Anteil Linkshänder in der Bevölkerung. Zum einen vermeiden offensichtlich viele Linkshänder das Erlernen eines Saiten-Instrumentes, zum andern passen sich viele der RH-Spielweise an, um "keine Umstände zu machen".

2) Nur ein geringer Anteil der Lehrer (hier: 5%) zeigt sich extrem linkshänder-feindlich. Eltern und Schüler sollten vorsichtshalber erst die hier aufgeworfenen Fragen mit dem potenziellen Lehrer erörtern, um nicht in die Fänge solcher Individuen zu geraten.

3) Sensibilität gegenüber Linkshändigkeit zeigt zwar der grösste Teil der Musiklehrer, aber intensivere Information über die negativen Folgen einer Umschulung der Spielhand dürfte hier, wie im allgemein-schulischen Bereich auch, dringend angeraten sein. 

4) Sachzwänge (Mangel an LH-Instrumenten, Sitzordnung im Ensemble) dürfen nicht als Alibi für eine Umschulung der Spielhand dienen. Musik-Pädagogen sollten vielmehr ihren Einfluss auf Instrumente-Händler- und -Hersteller im Sinne einer (auch) Linkshänder-Freundlichkeit geltend machen. Der Umbau der Instrumente sollte nicht unnötig problematisiert werden. Besser, der Linkshänder spielt auf einem händigkeits-gerechten Provisorium, als auf einem perfekten Instrument, welches seiner natürlichen Händigkeit widerspricht.

5) Wenn Empfehlungen für alternative Instrumente ausgesprochen werden, sollte bedacht werden, dass auch bei vielen anderen Instrumenten eine Asymmetrie besteht (z.B. Schlagzeug). Vielmehr sollten die linkshändigen SchülerInnen in ihrem Wunsch bestärkt werden, ein solch praktisches und die Lebensqualität steigerndes Instrument wie die Gitarre o.ä. zu erlernen. 

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