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BAUEN

Der Steinmetzmeister am Kölner Dom

Markus Heindl

Dieser Artikel ist erschíenen in LHC-08 07-1999 (hier 12-2003) zusammen mit dem LHC-Fragebogen, ausgefüllt von Markus Heindl.

Rund 100 Handwerker sind unter der Leitung von Dombaumeisterin Frau Professor Barbara Schock-Werner(51) ständig am Dom beschäftigt, die meisten davon als Steinmetze. Und nun schätzen Sie mal, wie viele davon mit links den Klöpfel führen! Es ist EINER!

Es finden sich noch drei weitere von der Zunft der Glas-Restauratoren und Schmiede, die mit links arbeiten. Insgesamt aber zeigt dieser geringe Prozentsatz recht eindeutig die Situation im Handwerk: Viele Linkshänder meiden handwerkliche Berufe. 

Seit mittlerweile neun Jahren ist Herr Heindl der lebende Gegenbeweis am Dom. Es geht also doch. Und es muss auch in der langen Baugeschichte des Domes immer mal wieder Linkshänder unter den Steinmetzen  gegeben haben, obwohl es darüber keinerlei historische Aufzeichnungen oder Anmerkungen gibt, wie Dombaumeisterin Schock-Werner mitteilen ließ.

"Wenn Rechtshänder an Ecken direkt am Gebäude arbeiten, wo sie schlecht drankommen, dann holen sie mich ", sagt der Steinmetz-Meister. Und dies wird vor 100 oder 751 Jahren auch nicht anders gewesen sein. In der Hierarchie der Dombauhütte ist Herr Heindl nicht Meister sondern Geselle. Dies tut aber der Liebe zu seiner Arbeit und auch der Zufriedenheit mit der Bezahlung keinen Abbruch. 

Er begann 1983 eine 3-jährige Lehre zum Steinmetz. Auch dort war er unter 12 Kollegen und Ausbildern der einzige Linkshänder. So gefühlvoll wie er den Klöpfel führt, gleitet auch seine Handschrift mit links aufs Papier. Sein Lehrmeister tat sich zwar manchmal etwas schwer beim linkshändigen Vormachen, aber "Bravo" für nicht versuchte Umschulung. 

Die traditionellen Steinmetz-Werkzeuge sind alle händigkeitsneutral. Moderne Geräte wie Trennschleifer etc. haben rundum fixierbare Zusatzgriffe. (s.a.LHC-03 04-98 S.22-25)

Im Sommer ist sein Arbeitsplatz am schönsten: Eine direkt an den Dom geschmiegte, nach vorn ganz offene Bauhütte, dezent erklingende Musik klassischer Tenöre vom Band, kein Autoverkehr. Ein magisch-weihevoller Platz!

Zur Zeit (07-1999) arbeitet Herr Heindl an der "Bekrönung" eines Baldachins aus Obernkirchener (bei Hannover) Sandstein. 



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