zurück zu Auswahl Texte
VORSICHT ! TEXTE !

Tierlieder und Tiertexte
1980 bis 2001
von
Norbert Martin

von "A" wie Affe bis "Z" wie Zebra



Affe Amsel   Faultier Ente   Fisch1 Fisch2   Hund 1  Hund 2  Schnecke  Taube   Zebra



Eieiei  (Affe)  80

Wie oft schon wollten wir uns zähmen
und unsern Trieb durch Zucht beschämen.
Sonderlich diesen, der erhält,
dass nicht das ganz' Geschlecht zerfällt.

Es war einmal ein Murmeltier,
das aß verzückt ein Blatt Papier.
Am nächsten Tag hatt`s Darmkatarrh,
weil auf dem Blatt ´ne Blattlaus war.

Der Nasbär kratzte sich am Ohr
und holt erstaunt ein Popel vor.
Er wusste nicht: Wo Nasbärn kratzen,
da hängen Popel an den Tatzen.

Menscheln nennt man dies Geschäft,
bei dem der Mensch den Affen äfft.
Menschenaffen lieben diese Kür,
doch fehlt ihnen Talent dafür.

zurück zum Anfang



Sommerabend 21.30h (Amseln)   05-98
Halbdunkel wird es schon.

Heran schleicht leis' die Nacht.

Noch führen fleißig ein paar Amseln
einhundert-metrige Duette.

Farben ziehen sich zurück in ihre Körper.

Das Kind, das noch nicht schlafen will,
plärrt laut durch alle Hintergärten.

Von alter Mahlzeit klappert Porzellan.

Erste Lichter aus den Wohnungsfenstern.

Unaufhaltsam geht der Tag.

zurück zum Anfang


Hamburg, Außen-Alster (Enten) 895
Hier wird Sehen zu einer Wohltat,
Abends um neun am See.

Solch ein Orange, solch ein Blau  - und dazwischen-
Violett.

Stadtrand bizarr sich verzackt in das Licht.
Glucksendes Wasser am Boot.

Wolken im Westen zerfetzt und gering.

Entenflug über den Teich - See .

Caspar David erwacht,
nimmt den Pinsel zur Hand und sein Auge belacht:

Diesen Turm.

Nein, kein Kirchturm, kein Haus,
nur ein Phallus-Symbol
sendet Funkwellen aus 
und ist innen ganz hohl:

Tele-kommuni-kations-instrument.

Der Wind dreht langsam nach West.

Es wird kühl und der See wird dunkel, fast grau.
Der Himmel bewahrt bis zuletzt noch sein Blau.
Die Sonne ertrinkt und erlischt im Orange.

Heut freue ich mich auf mein Bett

und träume vom Violett.

zurück zum Anfang 


zurück zum Anfang 
Fischbachtal   02-1998
Am Bach, wo die Forelle steht,
Mir dann und wann ein Licht aufgeht.
Ja manchmal fällt mir da was ein,
Das muss dann gleich gesungen sein.

Der Himmel über mir ganz blau
Und kleine Schwalben ganz genau
Bebildern diesen Himmelsglanz,
Verführen meine Augen ganz

Zu wandern lang am Horizont,
Zu sehen, wo der König wohnt.
Im Farbenrausch das weisse Schloss.
Waldboden stampft das schwere Ross.

Ob die Forelle weiterlebt
Ist fraglich, denn die Erde bebt
Von Dummheit, Drohn´ und Überdruss.
Vergiftet bald auch dieser Fluss.

zurück zum Anfang 


Aquarium (Fische2)  1-95
Qua, qua, qua-qua, Aquarium
Nützt nicht viel,
Steht dumm herum

Bietet Fischen    einen Knast
Schwimmen sie von Ast zu Ast
Immer in den gleichen Runden
Jahre, Monde, Tage, Stunden

Lebensreduktionsmaschine
Für die Menschen eine Bühne
Ganz im Wasser, ganz im Licht
Nur -   die Fische sehn das nicht

Ständig blubbert Luft durch Kiemen
Punkte, Striche, Flecken, Striemen
Bunten Fischen aus dem Süden
Ist ein ödes Los beschieden.

zurück zum Anfang 


zurück zum Anfang 

 

Das Faultier   07-99

Ich möcht' so gern ein Faultier haben.
Hier oben, in dem schönen Baum.
Es dürfte sich an Früchten laben,
Die ich ihm brächte: Welch ein Traum !

Mit seinen treuen Faultier-Augen 
Schaut' es mich an voll Dankbarkeit.
Es würde zu rein gar nichts taugen.
Nur zeigen uns den Zahn der Zeit.

Und schrien Raben, Krähen, Häher,
Und schrien laut und kämen näher . . .
Das Faultier föcht' es gar nicht an,
Zög' langsam weiter seine Bahn.

Mal hier, mal dort am Ast würd's hängen.
Es würde schlafen lang und tief.
Es würde nie zur Eile drängen,
Da sowieso es meistens schlief'.

Sein Futter würd' ich täglich bringen.
Ich würde zu ihm klettern hoch
Und würde ihm ein Schlaflied singen,
Wovon es träumen könnt' dann noch.

Und seine Exkremente fielen
Hoch von dem Baume, dann und wann.
Die Käfer würden damit spielen
Und essen, was man davon kann.

Im Winter böte ich dem Faulen
An meine Stube, warm und groß.
Ich könnte dann das Faultier kraulen.
Es könnte ruh'n in meinem Schoß.

Und wenn die warmen Tage kämen,
Setzt' ich es wieder in den Baum.
Sein schönes Fell würde verbrämen
Den Garten hier, oh, welch ein Traum!

Und irgendwann würd' ab es fallen
Von seinem Ast, wie eine Frucht.
Sein Aufschlag würde sanft verhallen.
Das Faultier wär' nicht auf der Flucht.

Nein, nach vielen langen Jahren
Dort oben in dem schönen Baum
Würd' es sich dann den Rest ersparen
Und sterben wie in einem Traum.

zurück zum Anfang 


zurück zum Anfang 

 

Hund "Hogges"    02-99

Der „Hogges“ ist ein alter Hund, 
Links hinten schwer am Hinken.
Zum Schmatzen hat er seinen Mund,
Und er isst gerne Schinken.

So manchen knurrt er öfters an.
Mit ihm ist nicht zu spaßen.
Das Bein hebt er nur dann und wann,
Gern  meist auf  Laub, dem nassen.

Er frisst so gut wie alles gern,
Auch hin und wieder Erdnuss.
Auch Ökoklops ist ihm nicht fern
Wenn auch der Stuhl geklärt muss

Sein von solchen Dingen.
Er will kein Stöckchen bringen.
Er ist ein alter Hund
Doch nicht ganz kugelrund.

zurück zum Anfang 


zurück zum Anfang 

 

Der Hund Janosch (Jani, el Toro)  07-2000
(kann nach "Plaisir d'amour" gesungen werden)

Dein treuer Blick, Dein knurrend' Herz
Vertreibt so manchen Alltags-Schmerz.
Dein Trippelschritt, Dein Muskelbau,
Dein springend flitzend "WauWauWau!".
 

Ref.: "Stöööööööckchen schmeissen !"

Am Bein klebst oft mir, treuer Hund
Bist bunt und drollig, Riesenschlund.
Bist quicklebendig und so froh.
Im Freien gehst Du brav auf's Klo.

Ref.: "Stöööööööckchen schmeissen !"

Du bleibst sogar ganz brav allein.
Musst nur in Deinem Koffer sein.
Die Reaktionszeit Deiner Nerven
Bewundert man bei'm Stöckchen-Werfen

Ref.: "Stöööööööckchen schmeissen !"

Und heissgelaufen schlürfst Du Schnurzel
Das Regenwasser aus der Wurzel
Bevor Du dich in's  Sofa ahlst,
Noch kurz mit Deinem Quietschtier prahlst.

Ref.: "Stöööööööckchen schmeissen !"

Stretching kann man mit Dir üben.
Janosch, Du bist zum Verlieben
Wenn nachts Du in die Decke wühlst
Und Dich an meinen Füssen kühlst.

Ref.: "Stöööööööckchen schmeissen !"

Wenn unsre Wege einst sich trennen,
Allein ich durch den Wald muss rennen,
Bleibt leider mir als Suvenier,
Nur tausend Haare, frisch von Dir.

Ref.: "Stöööööööckchen schmeissen !"

zurück zum Anfang 



RH-Schnecken    6-96

Du Schnecke mit dem wunderschönen Haus
Zeigst mir, was „Zeit“ bedeutet.
Streckst ständig suchend deine Fühler aus.
Von ihnen wirst du und dein Haus geleitet.
Und schleimend findest du den Weg hinaus.
Spiralenhaus bereitet.

Millimeter, Millimeter, Millimeter, Millimeter -stop-
Millimeter, Millimeter, Millimeter, Millimeter -stop-
Millimeter, Millimeter, Millimeter, Millimeter -stop-

Schwankend, schneckend.
An der Wand empor.

Du bist ein Nachttier. Wer gab dir diesen Plan ? 
Für dies schwarz-gelb Spiralenhaus ?
Wann kommst du jemals an ?
Wohin reckst du den Hals und Fühler aus ?

Ist es nicht schlimm für dich, oh Schnecke, 
Zu geben so viel Zeit der Strecke ?
Oder ist es gleich für dich, 
Wieviel Zeit dafür verstrich ?

Zum Salatblatt wirst du schleichen, 
Stunden werden lahm verstreichen.
Ich hoff’, dein Ziel Erfüllung hat 
Und dich nicht tritt noch jemand platt.

Nach rechts dich in's Gehäuse drehst.
Anders herum nicht oft verstehst,
Zu nutzen auch die linke Seite.
Das ist "normal", denn viele Leute

Neben dir sind auch sehr lahm,
Erröten nicht einmal vor Scham
Ob ihrer drögen Rechtsverlegung.
Fühlern sie nur nach Marschverpflegung.

zurück zum Anfang 



Die Taube dort im Garten       Wupp.Platzh. 05-98

Die Taube dort im Garten
Sie schaut besorgt nach links
Sie will noch etwas warten
Mit ihrem Schnabel-Brings.

Das Weibchen sitzt auf Eiern
In seinem Fichtennest
Das Äste dicht verschleiern.
Im Regen nicht verlässt

Sie ihre Brütungsgrube
Das Männchen kommt ganz still
Zu füttern in der Stube
Dem Weibchen, was es will.

Am nächsten Tag im Garten
Die Taube ist entflohn
Zu weichen scheu dem harten
Ergreifen, Stören, Droh'n

Das Nest ist ganz verlassen,
Ein Ei am Boden liegt,
Und in den Eiweißmassen
Die Made sich vergnügt.

Die Tauben zürnen Stehlern,
Nicht lange hält der Frust,
Denn zwischen Berg und Tälern
Regiert die Vogel-Lust !

zurück zum Anfang 

zurück zum Anfang 
 

Zebra  02-99

Das Zebra ist ein schönes Tier,
Geschlechtermäßig sächlich.
Rein nichts kann dieses Tier dafür,
Trabt grasend fort gemächlich.

Schwarz-Weiss gestreift, dies Eselpferd.
Zum Reiten ungeeignet,
Weil es Schwarz-Weiss den Weg versperrt 
Und Pferdeherkunft leugnet.

Auch bellt es gern und wiehert nicht,
Putzt täglich seine Streifen.
Wenn ihm ein Weib in’s Auge sticht,
Bekommt es einen Steifen.

In Riesenherden steht es oft 
Auf Steppe und Savanne,
Wo es beim Äsen oft verhofft,
Denkt es an Reifenpanne.

Denn diese ist ihm sehr vertraut.
Es kennt sie von der Straße,
Wo man den Asphalt überbaut
Mit Streifen seiner Rasse.


zurück zum Anfang                  zurück zu Auswahl Texte